Eine Kooperation der französischen Alliance Industrie du Futur in France, der deutschen Plattform Industrie 4.0 und die italienische Piano Industria 4.0 hat einem gemeinsamen Aktionsplan zur Standardisierung der Industrie 4.0 zugestimmt. Ziel ist die Erarbeitung eines gemeinsamen Standpunkts bezüglich der Grundlagen für  Standardisierungen der teilnehmenden Organisationen, aber auch um Stakeholdern die Möglichkeit zu bieten sich einzubringen und die erarbeiteten Grundlagen wiederum selbst weiter zu verwenden.

Auf Grund der Digitalisierung wird zukünftig ein höherer Grad der Vernetzung notwendig werden, da Teileinheiten, wie Liefer- oder Produktionsketten, unternehmensübergreifend zusammengebracht werden müssen. Um verschiedene digitale Formate und Systeme kompatibel zu machen, werden Standards benötigt. Der Verband aus der Alliance Industrie du Futur in France, der Plattform Industrie 4.0 und der Piano Industria 4.0 möchte diesem nun vorgreifen um hierfür eine geeignete Basis in Europa zu schaffen und so die Wirtschaft vor Ort wettbewerbsfähig zu halten.

Da hier noch keine Standards selbst erarbeitet wurden, sondern sich nur auf die Positionen und Voraussetzungen geeinigt wurde, werden vor allem abstrakte Begriffe und Konzepte entwickelt, welche ein theoretisches Gerüst einer Norm bilden können. Als Basis wird hierbei das Konzept „Struktur der Verwaltungsschale“ genutzt, welches ein Referenzarchitekturmodell der Industrie 4.0 (RAMI 4.0) darstellt und im April 2016 vom ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.) und der Plattform Industrie 4.0 (AG Referenzarchitekturen, Standards und Normung) veröffentlicht wurde. Dieses definiert, was eine Komponente von Industrie 4.0 ist, ihre Funktionen und Repräsentationen und die Verortung im Rahmenmodell. Hiermit ist die Grundeinheit einer vernetzten und smarten Produktion erfasst.

Ziel ist nun diese in der horizontalen und vertikalen Integration mit anderen Einheiten zu fassen: Der Datenaustausch mit anderen Objekten, die Interoperabilität, benötigt bestimmte Voraussetzungen der Verwaltungsschale um die Objekte definitorisch fassen zu können. Hierunter ist beispielsweise, dass der Verwaltungsschale abhängig von den verschiedenen Umgebungen, unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben werden können. So benötigt ein Hersteller andere Informationen als ein Anwender. Diese unterschiedlichen Informationen müssen gleichzeitig in ihrer Herkunft identifiziert werden können.

Eine Verwaltungsschale sollte weiterhin ermöglichen, dass verschiedene Objekte in ihr erfasst werden, sodass sowohl Einzelkomponenten als auch Systeme zusammenhängend gefasst werden können. Hierzu sollten die einzelnen Schalen kombiniert werden können. Die Informationen in der Schale müssen über eine standardisierte Schnittstelle abgerufen werden können, wobei Schale und Objekt eine eindeutige Identifikation besitzen; hierzu zählen auch vollständige industrielle Anlagen. Die Verwaltungsschale kann crossreferentiell auch Informationen bezüglich anderer Schalen beinhalten. Auch müssen Hersteller in der Lage sein spezifische Informationen zu hinterlegen. Insgesamt muss eine Mindestanzahl von Informationen für ein Objekt festgelegt sein. Diese Informationen müssen hierbei selbst wiederum Informationen bezüglich ihrer eigenen Hierarchie enthalten.

Diese – unvollständige – Aufzählung zeigt die Komplexität des Unterfangens. Verdeutlicht wird dies durch die Vorstellung, dass hierunter Anlagen und Einzelteile, aber auch immaterielle Güter wie bspw. Lizenzen fallen. Dennoch, der Grundstein für eine Standardisierung für die Industrie 4.0 könnte hiermit gelegt sein. Allerdings auch nur der Grundstein. Die wirkliche Fassung einer Standardisierung muss noch folgen und – vor allem – die praktische Umsetzung in der Wirtschaft. Ob sich dieser Ansatz hierbei wird durchsetzen können muss sich zeigen, für Europa bestehen hiermit jedoch gute Chancen im internationalen Vergleich hier ein Vorreiter zu sein und sich so eine strategisch günstige Position zu verschaffen.

Mehr dazu erfahren Sie u.a. auf unseren StrategieTagen Production am 5. und 6. November 2018.