Wie steht es um das Verhältnis der Deutschen zu BIG Data?

In einer aktuellen Studie untersuchte die Technische Hochschule (TH) Köln das Verhältnis der deutschen Bürger zu neuen Technologien der Datenanalyse und ihren Umgang mit ihren eigenen Daten. Ergebnis ist, dass die deutschen Bürger den neuen Technologien skeptisch gegenüberstehen, Datenschutz befürworten, aber auch mit ihren eigenen Daten unvorsichtig umgehen.

Für die Studie wurden 1.000 Personen zum Thema Big Data und Datenschutz befragt. Sie wurde von Prof. Horst Müller-Peters vom Institut für Versicherungswesen der TH Köln durchgeführt. Die Auswertung ergab, dass die Teilnehmer die Vorteile von Datenanalysen und immer stärker werdender Vernetzung zwar schätzen und nutzen, aber dabei um die Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit und um ihren Datenschutz fürchten. Jedoch kümmern sie sich persönlich nur wenig um ihren Datenschutz.

So gaben die Befragten an im Schnitt 3,6 vernetzte Geräte wie Computer, Smartphones, Tablets und internetfähige Fernseher, Fitnesstracker, Smartwatches, und Kommunikationsschnittstellen zu digitalen Assitenten wie Alexa, Siri oder Cortana. Darüber hinaus gaben die Teilnehmer an zu 93 Prozent Google zu nutzen, danach folgen Dienste wie WhatsApp (82 Prozent), YouTube (79 Prozent) und Facebook (55 Prozent). Ein Drittel schätzten, dass sie bei über 20 Online-Diensten Daten hinterlegt haben.

Über all diese Geräte und Dienste erlauben die Befragten es Unternehmen erhebliche Datensammlungen über sich anlegen zu können und gewähren einen massiven Einblick in die eigene Privatsphäre meint Müller-Peters. Auch würden die Bürger ihre Daten nicht aktiv schützen: „Der größte Teil der Bevölkerung nutzt die Schutzmaßnahmen, die nicht zu viel Aufwand bedeuten, verhält sich also pragmatisch oder wenn man es negativ formulieren will: leicht fahrlässig“. Gerade einmal 8 Prozent der Befragten seien aktive Datenschützer, stellt die Studie fest.

Im Gegensatz dazu steht die Einschätzung über die Wichtigkeit des Datenschutzes. Nur 5 Prozent der Befragten halten diesen für vernachlässigbar und 16 Prozent der Befragten gaben an, es interessiere sie nicht, was mit ihren Daten geschieht. Die Mehrheit der Befragten fühlt sich von großen Internetkonzernen abhängig (56 Prozent), kann aber auf viele Dienste nicht verzichten (41 Prozent) und bezweifelt, dass sich Konzerne an die Datenschutzbestimmungen halten (52 Prozent).

Grundsätzlich sind die Deutschen pessimistisch, was die Auswirkungen von Big Data angeht. 80 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Schutz der Privatsphäre dadurch immer schwieriger wird und 78 Prozent, dass neue Gefahren für den Datenschutz drohen. 42 Prozent sehen überwiegend Risiken und nur 22 Prozent überwiegend Chancen von Big Data. Dabei zeigte sich, dass ein größeres Wissen über die technischen Möglichkeiten auch zu geringeren Vorbehalten führt.

Müller-Peters stellte insgesamt fest, dass „die grundlegende Skepsis gegenüber Big Data kippt, wenn konkrete, nutzenstiftende Anwendungen genannt werden. Viele davon erfordern eine weitgehende Überwachung des Einzelnen, was aber keinen Einfluss auf die Haltung zu haben scheint. Alleine der empfundene Nutzen, kaum aber die Sorge um die Privatsphäre, entscheiden über Befürwortung oder Ablehnung konkreter Einsatzfelder.“